Elternwochenende 2007 im FIT-Hotel in Much      

Mona, die Mücke von Much, berichtet

Meinen diesjährigen Fronleichnams-Urlaub wollte ich mal in unserem FIT-Hotel verbringen. Das liegt ein wenig außerhalb von Much, oben den Hang rauf, umgeben von Wiesen und Wäldern. Ich dachte ich hätte da Ruhe und könnte mich mal so richtig ausspannen. Aber ich war kaum angekommen brach da das große Chaos aus. Da kam eine große Gruppe von diesen wandelnden, zweibeinigen Schnellrestaurants und belegten praktisch alle Zimmer. Ok, die Verteilung war etwas verzögert, weil die Zimmer erst noch geputzt werden mussten, andererseits hatte das den Vorteil, dass ich in Ruhe alle auf einem Haufen hatte. Die saßen nämlich dann alle vor dem Hotel und haben erst mal was getrunken. Dadurch konnte ich schön die Angebotsvielfalt betrachten und die süßesten aussuchen. Verhungern brauchte ich jedenfalls nicht.
Foto von der VorstellungsrundeTja, aber was die dann bis zum Sonntag da so alles getrieben haben. Am Anfang haben sich alle in einem großen Raum zusammengesetzt und haben sich gegenseitig vorgestellt. Ich habe das so verstanden, dass da viele Neue waren. Das fanden aber wohl alle gerade besonders schön. Ich verstehe ja nicht, was die sich immer alles zu erzählen haben. Na ja. Jedenfalls waren alle scheinbar sehr glücklich mit dem, was diese Wesen Essen nennen, was ja auch für mich wichtig war, denn nur dann schmecken die so richtig gut. Das ganze Wochenende sind die dann da rumgewuselt. Jeden Tag war auf dem großen Platz mit den beiden Netzbehängten Rahmen mächtig was los. Ich hatte ja erst gedacht die würden mit den Netzen Jagd auf meine lieben Schwestern und Brüder machen, und wir haben schallend gelacht, weil die Maschen so riesig waren, dass wir sogar im Formationsflug da durch konnten. Dann habe
Foto vom Fussballspiel ich aber festgestellt, dass es wohl darum geht, eine riesige Lederkugel damit einzufangen. Die arme Kugel wird getreten und durch die Gegend geschubst, und soll irgendwie rein ins Netz und dann wieder doch nicht, deswegen steht immer einer da und versucht genau das zu verhindern. Sehr merkwürdig. Das Gute daran ist aber, dass die dann alle anfangen so lecker auszudünsten, dass man sie auch aus weiter Entfernung schon erschnuppern kann.

Nachdem ich mir das eine Weile angesehen hatte, bin ich wieder zurück auf den Innenhof geflogen und da saßen dann auch jede Menge Leute. Inzwischen habe ich rausgekriegt, dass sie das Unterhalten nennen und Spielen. Das haben die ganz schön lange ausgehalten. Die Kürzeren sind dann abends irgendwann in den Betten verschwunden, während die Langen noch bis spät in die Nacht weiter gemacht haben. Das ist so, wie wenn wir das Jahresfest der besten Pieker feiern und uns ein Jahr nicht gesehen haben. Erzählen, lachen, trinken, austauschen. Macht uns ja auch immer einen Superspaß.
Kinder klettern durch einen riesigen Reifen, der im Wald aufgehängt ist.Es kam alles noch viel besser. Anderntags wollte ich mit meinen Freunden den traditionellen Schönwetter – Hochflugwettbewerb austragen. Das haben wir auf der Wiese hinter dem Platz mit diesen Netzrahmen gemacht. Normalerweise ist dabei immer das einzige Risiko, dass uns da oben die Vögel gut erwischen. Sonst kann man da ja niemandem begegnen. Doch hier war alles ganz anders. Man denkt an nichts Böses und schwirrt locker auf eine Höhe, gut fünftausendmal so hoch, wie man selber groß ist, und da hampeln schon wieder diese Wesen rum.

Die KletterwandMit roten Deckeln auf dem Kopf, und lauter Seilen kraxeln die plötzlich da oben rum, wo sie nun eigentlich wirklich nichts zu suchen haben. Selbst die Kleinsten hatten einen Mörderspaß daran sich in luftigen Höhen zu bewegen. Wenn man sich doch in einem so fremden Lebensraum bewegt, sollte man meinen, dass sie irgendwie Angst haben, aber davon war absolut nichts zu bemerken. Es war allerdings auch jemand dabei, der alles ganz toll erklärt hat und immer aufgepasst hat.
Wenn ich nicht fliegen könnte, hätte ich glatt selber Lust das mal auszuprobieren. Das war jedenfalls scheinbar der Bringer, denn das haben die dann an den anderen Tagen auch dauernd gemacht. Später sogar im Wald, mit monstergroßen Gummiringen, oder komischen Geräten aus Aluminium mit ganz vielen Sprossen.

Unten standen ganz viele von den Zweibeinern und einer ist auf der einen Seite hoch und auf der anderen wieder runter geklettert. Ich habe den Sinn der Sache zwar bis heute nicht begriffen, aber wenn‘s ihnen Spaß macht. Wenigstens waren sie so damit beschäftigt sich fest zu halten, dass keiner eine Hand frei hatte, nach mir zu klatschen. Logisch, dann wäre es mir auch zu gefährlich gewesen so nah ran zu fliegen.
Viele Leute halten eine Leiter senkrecht, auf der ein Kind nach oben steigtIm Hof war derweil ein ziemlicher Lärm. Da war noch so ein Wesen gekommen und hat jede Menge Teile mitgebracht:


Trommeln und Tröten
Ratschen und Flöten
Hölzer und Knarren
Gong und Gitarren.


Denen wurden dann die wundersamsten Geräusche entlockt. Diese Leute nannten das Musik. Nun sind ja die Geschmäcker verschieden, aber Musik? Wenn ich dagegen die siebte Summphonie des sagenhaften Sibelius von Sirrenstein, oder das großartige Gesumme für Grasmückenchor und  Gezirpe von Günther Grobstich nehme...
Aber egal.

Kinder mit InstrumentenDie haben sogar einige von diesen Krachdingern erst mal selber gebastelt. Das war übrigens echt cool. Weil dafür nämlich einige unserer gefährlichsten Feinde die ein oder andere Feder lassen mussten, um die Dinger damit zu verzieren. Dann wird natürlich auch das Hörerlebnis gleich viel angenehmer für uns.
Ich bin dann auch noch mal rein geflogen und da hatten die in der Halle lauter Tische aufgebaut und ganz viel interessanten Kram ausgestellt. So viele Sachen, die speziell zum Spielen oder als technische Hilfsmittel gedacht sind, man könnte fast meinen, dass da doch ein gewisser Grad an Intelligenz vorhanden ist.Foto der Hilfsmittelausstellung
Wenn da nicht andererseits einige im Keller zu lautem Getöne aus einer kleinen Kiste herum hopsen würden. Das sah furchtbar anstrengend aus. Vor und zurück, hoch und runter. Ich begreife einfach nicht wozu das gut sein soll. Aber nachher dufteten wieder alle wunderbar. Nur sind sie dann alle gleich verschwunden und haben sich in kleine Kammern gestellt, wo es regnete. Und das innen, im Haus. Ich glaube die machen einem das Leben extra schwer. Danach konnte man nämlich nichts mehr riechen. Nachts kam dann trotzdem unsere Zeit. Überall konnten wir uns dann genüsslich bedienen. Ein Festmahl. Dafür nimmt man dann auch das ganze Chaos in Kauf.
Foto vom FreiluftschachWieder draußen gab es noch einen kleinen Platz, der war ganz kariert. Lauter schwarz-weiße Felder. Da war auch oft was los. Im Gegensatz zu dem hektischen Rumgehüpfe, was sonst allenthalben stattfand, standen sie da in Grüppchen recht still rum, und nur ab und zu bewegte sich einer und schob unterschiedlich geformte Plastiktürmchen von einem Feld zum anderen.
Am Ende haben sie dann noch vor dem Eingang ein Theaterstück - was immer das heißen mag - aufgeführt. Irgendwas mit einem bösen Wolf, der am Ende, mit lauter Steinen im Magen, in einen Brunnen gefallen sein soll.  Muss jedenfalls mächtig lustig gewesen sein, so wie die sich alle kaputt gelacht haben. Alles in allem war das scheinbar das perfekte Jahrestreffen, und wenn ich rauskriege, ob und wo die sich nächstes Jahr wieder sehen, werde ich jedenfalls dabei sein.

Viele Grüße

Mona

BEBSK-Versammlungen